Jugendherberge Koblenz: Eine Geschichte, die kaum einer kennt

Alte Jugendherberge Koblenz

Schaust du nach Jugendherberge Koblenz, landest du auf der Seite unserer Jugendherberge auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.

Klar, denkst du, dort ist sie ja auch. Aber wusstest du, dass mal eine Jugendherberge mitten in der Koblenzer Altstadt stand? Und dass sie auch noch einen Rekord beinhaltete, von dem fast niemand etwas weiß. Noch nicht einmal das Deutsche Jugendherbergswerk e. V. selbst!

Gibt es nicht, denkst du dir! Doch, gibt es! Und das darf geändert werden, wie ich finde!

Jugendherberge in Koblenz: Der Anfang (also, der echte)

Peter Altmeier, ehemaliger Ministerpräsident RLP Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F046120-0035 Vollrath CC-BY-SA 3.0

Begonnen hat die Jugendherberge Koblenz mit Peter Altmeier, bzw. seinen Eltern, der Vater hieß ebenfalls Peter und seine Mutter Maria. Der Name Peter Altmeier kommt dir bekannt vor? Ja, unser Moselufer wurde nach ihm benannt. Aber warum eigentlich? Es handelt sich um den von 1947 bis 1969 amtierenden rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten.

Zurück zu seinen Eltern. Die zogen 1906 nach Koblenz, wo der Vater mehrere berufliche Stationen durchlief, u. a. eben als Leiter der Jugendherberge in Koblenz.

Das herauszufinden ist gar nicht so einfach. Wo doch sonst das Internet (fast) alles weiß. In diesem Fall finden sich kaum Einträge darüber. Und fragt man bei dem Deutschen Jugendherbergswerk nach, dann erhält man auch keine Auskunft, denn die wissen das selbst nicht. Kein Scherz! Es gibt keine Unterlagen darüber. Was damit zusammen hängt, dass im Zweiten Weltkrieg viele Unterlagen zerstört wurden.

Standort und Größe

Diese Jugendherberge Koblenz hat wohl in der Nagelsgasse, Ecke „Am Alten Hospital“ gestanden. Später in den 1920-er-Jahren vergrößerte sich die Jugendherberge in Koblenz und verfügte ab da über 400 Betten und 100 Notlager.

In der Zeitschrift des Rheinischen Verbands für Denkmalpflege und Heimatschutz wurde in einer Ausgabe von 1928 berichtet, dass hier in der Jugendherberge Koblenz 1927 rund 30.000 Gäste genächtigt haben. Und damit war es die weltweit größte Jugendherberge!

Wo gibt es denn sowas???

Foto: Diana von Pixabay

Um 1900 kam eine Bewegung in Deutschland auf, in der junge Menschen gemeinsam in Gruppen in ihrer freien Zeit wanderten. Die Schüler und Studenten nannten sich Wandervögel und setzte einen Gegenpol zur immer größer werdenden Industrialisierung der Städte.

Die jungen Leute wollten sich aus dem schulischen und gesellschaftlichen Korsett befreien, um in der Natur und in dem einfachen Vorankommen ohne viel Gepäck einen neuen Lebensstil zu entwickeln. In dieser Zeit entstanden viele einfache Unterkünfte und die ersten Jugendherbergen.

Schnell wurde deutschlandweit ein regelrechtes Jugendherbergsnetzwerk aufgebaut, in dem die Jugendlichen in immer größer werdenden und besser organisierten Unterkünften übernachten konnten.

Und in Koblenz wussten schon damals wie heute die Menschen, wie schön es hier ist. So kam es, dass die Wandervogelbewegung als auch unsere schöne Heimat dazu beitrugen, dass hier in unserer Stadt die weltweit größte Übernachtungszahl entstanden ist.

Was ist aus der Jugendherberge geworden?

Es kam, wie an so vielen Orten in Deutschland, im Zweiten Weltkrieg dazu, dass die Jugendherberge in Koblenz für andere Zwecke genutzt wurde. Die der NSDAP angeschlossenen Arbeiterfront siedelte in der erfolgreichen Jugendherberge fortan Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen an. Insgesamt wohl 182 Menschen aus Russland und der Ukraine.

Leider ist nicht übermittelt, was mit ihnen geschehen ist. Auch sonst gibt es kaum Informationen. Denn am 6. November 1944 um 19:28 Uhr kam es in Koblenz zu der größten Bombardierung des Zweiten Weltkrieges. Unsere schöne Altstadt wurde in kurzer Zeit zu 87 % zerstört. Und damit auch die Jugendherberge nebst allen Unterlagen.

25.000 Koblenzer und Koblenzerinnen verloren in nur wenigen Stunden ihr Dach über dem Kopf und wurden obdachlos. Die Royal Air Force entfachte mit 153.392 Stabbrandbomben, 456 Flammstrahlbomben und 130 Luftminen einen Feuersturm in der Koblenzer Altstadt, der nicht gelöscht werden konnte.

Ein Gast meiner Stadtführungen erzählte mir: „Unser Großvater war in der Bombennacht in Koblenz zu Besuch. Er ist mit braunen Haaren hin und kam mit weißen Haaren wieder.“ Es muss verheerend gewesen sein!

Was wurde aus der Rekord-Jugendherberge?

Unter dem Straßenschild kannst du die Plakette noch erkennen

Nach dem Bombenhagel gab es keine Jugendherberge mehr in Koblenz. Zumal nach dem Zweiten Weltkrieg auch erst einmal kein Bedarf dafür war.

Im Jahr 1949 gründete sich der Verband des Deutschen Jugendherbergswerks neu. Und schon im Jahr 1951 weihte man die heutige Jugendherberge auf der Festung Ehrenbreitstein ein.

Zurück geblieben ist nur das Jugendherbergssymbol in der Nagelsgasse, Ecke Firmungstraße, an der Ecke vom Restaurant „Adaccio„. Aber wer es nicht weiß, übersieht es leicht. Denn es wurde mit dem Anstrich des Außengebäudes mit weißer Farbe übermalt.

Anreise

Firmungstraße 2, rechts neben dem Eingang vom „Adaccio“ zur Nagelsgasse hin kannst du das Jugendherbergssymbol entdecken.

Meine Empfehlung

Wenn du schon mal dort bist, kannst du dich auch anschließend im „Adaccio“ stärken. Dort gibt es leckere Getränke und gutes Essen. Du sitzt dort bei schönem Wetter draußen mit Blick auf den schönen „Görresplatz„. Bei kaltem Wetter ist das Innenambiente wunderschön und versetzt dich in eine andere Zeit. Hier trifft die Moderne auf Jugendstil.

Es ist die Geschichte – nicht der Erzähler.

Stephen King – amerikanischer Schriftsteller

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Am 5. August 2024 gibt es hier wieder Neuigkeiten. Dieses mal geht es u. a. um meine „Koblenzer Kriminalgeschichten“ Stadtführungen. Wie haben sie sich entwickelt in den letzten Monaten, was steht an Änderungen an und ein kleiner Ausblick.

Also, wenn du ein Fan meiner Koblenzer Kriminalgeschichten bist, dann sei hier wieder am 5. August 2024 mit dabei. Ich freue mich auf dich!

Deine Kristina Venus

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