Brunnenhof – Der schönste Hinterhof in Koblenz

Brunnenhof Koblenz - Der schönste Hinterhof in der Koblenzer Altstadt

Brunnenhof Königspfalz, der schönste Hinterhof. In der Koblenzer Altstadt mit zwei Brunnen, tollen Lokalen und einem Wandbild, das uns Menschen den Spiegel in Sachen „Macht“ bis heute vorhält. Eine meiner Lieblingsplätze. Auf meinen Stadtführungen mag ich die vielen Geschichten, die ich hier erzählen kann. Sie sorgen für ein Schmunzeln, sie machen nachdenklich und sie erzählen vom Mensch an sich.

Es ist die Geburtsstätte von Koblenz! Denn hier wurde unsere Stadt von den Römern gegründet: Confluentes, die Zusammenfließenden. An diesem Ort begann alles!

Erst in den 1980-ern entstand der Brunnenhof in Koblenz

Koblenz gehört zu den Städten in Deutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg als letzte die Kriegsschäden saniert haben. Das hatte den Nachteil, dass wir hier in Koblenz in einer Kriegsstadt groß wurden, lange nach Beendigung des Krieges. Es hatte aber auch den Vorteil, dass unsere Stadt aus den Sanierungsfehlern der anderen Städte lernen konnte. Und ich finde, das haben wir sehr gut hinbekommen.

Die Koblenzer Altstadt war vor der Sanierung hässlich und wir Kinder mussten sie meiden, da sie auch ein Hort von Gewalt, Prostitution und Verbrechen waren. In der Mehlgasse gab es in den Wohnhäusern keine Badezimmer. Ich kann mich erinnern, dass bei einer ehemaligen Schulfreundin erst Ende der 1970-er Duschkabinen in den Wohnküchen eingebaut wurden. Toiletten waren damals auf dem Flur.

1983 begann die Sanierung der Koblenzer Altstadt. Eine Zeit, in der Michael Jackson sein Album „Thriller“ herausbrachte, Madonna mit ihrem Song „Holiday“ zum ersten mal in die internationalen Charts kam und der Film „Flashdance“ in die Kinos Einzug hielt. Und wir Koblenzer wohnten noch in einer Kriegsstadt….

Der Brunnenhof entstand sogar noch später

Der schönste Hinterhof von Koblenz entstand erst 1985. Dort stand bis dato noch eine Wohnhausreihe, wo jetzt der schöne Platz zu besichtigen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man schnell jeden freien Platz zugebaut. Da ging es nicht um Schönheit. Sondern wir brauchten sehr schnell Wohnraum.

Denn Koblenz wurde am 6. November 1944 in nur wenigen Stunden so stark bombardiert, dass 87 Prozent der Koblenzer Altstadt zerstört waren. Bis in die 1950-er waren die Auswirkungen zu spüren und viele Menschen aus der Altstadt, die obdachlos geworden waren, wohnten behelfsmäßig auf der Festung Ehrenbreitstein.

1985 wollte man nicht nur sanieren, sondern die Altstädte auch lebenswert gestalten. Daher wurden hier die Wohnhäuser abgerissen und es entstand der wunderschöne Hinterhof in Koblenz. Dabei hat man die zwei vorhandenen Brunnen gefunden. Diese sehen heute natürlich ganz anders aus, als zu ihren Ursprungszeiten.

Der modern gestaltete Brunnen unterhalb des Wandbildes mit den Zacken ist ein Springbrunnen und jüngeren Datums. Schon bei der Gestaltung des Brunnens schieden sich die Geister.

Der älteste Brunnen in Koblenz?

Oben am Café/Bistro „Pfefferminzje“ steht ein zweiter Brunnen. Dabei handelt es sich um einen Ziehbrunnen, der schon in den ältesten Katasterplänen der Stadt eingezeichnet war. Vielleicht handelt es sich sogar um den ältesten Brunnen der Stadt, doch das kann nicht nachgewiesen werden.

Dieser Brunnen geht 14 Meter in die Tiefe. Wenn du hier herunterschaust, dann weißt du in etwa, wie hoch der Rhein und die Mosel sind, da der Brunnen bis aufs Grundwasser reicht. In sehr trockenen Sommern bleibt auch der Brunnen trocken.

Das Wandbild

„Cobelenze Pfingsten 860“ steht auf dem Wandbild. Darunter stehen die Namen „Karl der Kahle, Lothar II. und Ludwig der Deutsche“.

Der erste Teil beruht auf der Zeitangabe und „Cobelenze“ weist darauf hin, dass in Koblenz zu der damaligen Zeit Fränkisch und Althochdeutsch gesprochen wurde.

Bei den drei Männern handelt es sich um die Nachfahren von Karl dem Großen, fränkischer Kaiser im 9. Jahrhundert n. Ch. Karl der Große war für die Gründung eines einheitlichen Reichs nach dem Niedergang des römischen Reiches verantwortlich.

Karl der Kahle

Karl der Kahle war der Enkel von Karl dem Großen. Der Zusatz „der Kahle“ bezieht sich übrigens nicht auf seine Haarpracht, sondern bedeutet landlos oder besitzlos. Karl war eines der vier Kinder von Ludwig dem Frommen, einer der Söhne von Karl dem Großen.

Karl der Kahle war eines von vier Söhnen und seine Brüder mochten ihn wohl nicht besonders, denn sie verbreiteten das Gerücht, Karl der Kahle wäre gar nicht der Sohn von Ludwig des Frommen.

Lothar II.

Er war der Urenkel von Karl dem Großen. Bei ihm war es die Kinderlosigkeit, die sein Leben bestimmte. Lothar II. trennte sich aufgrund dessen von seiner Ehefrau und heiratete seine Mätresse, mit der er schon einen Sohn gezeugt hatte. Dies führte zu einem langjährigen Streit mit der Kirche.

Es gab ein Hin und Her, dass die Ehe anerkannt wurde, dann wieder nicht. Letztendlich sorgte Papst Hadrian II. dafür, dass Lothar II. sein Anliegen persönlich in Rom vortragen durfte, um zu einer Klärung zu gelangen. Doch die Ehe wurde erneut nicht anerkannt.

Auf der Heimreise, nachdem Lothar II. als öffentlicher Sünder rehabilitiert wurde, aber erst nachdem er dem Papst versichert hatte, dass er mit seiner Mätresse nach dem Ausschluss aus der katholischen Kirche nicht mehr zusammengekommen war, verstarb dieser durch ein Fieber noch vor Ankunft in seiner Heimat.

Ludwig der Deutsche

Ein Bruder vom Karl dem Kahlen und der jüngste Sohn von Ludwig dem Frommen. Der Zusatz „der Deutsche“ wurde erst ab dem 19. Jahrhundert üblich und diente in erster Linie der Unterscheidung von anderen Ludwigs.

Ludwig der Deutsche erhielt von seinem Vater neben Baiern (damalige Schreibweise), Kärnten und Böhmen noch weitere Grenzgebiete im Osten. Er durfte aber in seinem Reich nicht selbständig herrschen, sondern er musste sich mit seinem Bruder Lothar I. absprechen. Und nur mit der Zusage des Bruders durfte Ludwig Krieg führen oder Frieden schließen.

Auch sonst kann man sagen, dass die Söhne von Ludwig dem Frommen nicht familiär und freundlich miteinander umgingen. Entweder rebellierten sie gemeinsam gegen den Vater, man kämpfte gegeneinander um die Gunst des Erzeugers oder Ludwig zog in einen Feldzug gegen den eigenen Vater. Familientradition der unfeinen Art!

Der Vertrag von Verdun

Die drei überlebenden Söhne von Kaiser Ludwig dem Frommen, Lothar I., Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche erhielten das Fränkische Reich der Karolinger, indem es in drei Herrschaftsgebiete aufgeteilt wurde.

Auch hier konnten die Brüder sich im Vorfeld nicht einigen. Es ging es um das Erbe. Jeder misstraute dem anderen. Nach langen Verhandlungen kam es dann in Koblenz in der Basilika St. Kastor vom 19. bis 24. Oktober 842 endlich zu abschließenden Vorverhandlungen, die von den Brüdern in Verdun anerkannt und unterschrieben wurden. Was konkret im Vertrag stand und das exakte Datum sind leider nicht überliefert und der Inhalt kann nur aus zeitgenössischen Quellen rekonstruiert werden.

Der Frieden von Koblenz

860 traf man sich erneut in Koblenz, um noch fünf weitere Gebiete unter den Nachfahren von Karl dem Großen aufzuteilen. Denn auch hier konnten sich die Männer nicht einigen. Man traf sich erneut in der Basilika St. Kastor, um einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, damit endlich Ruhe einkehren sollte.

Die drei Könige kamen in Begleitung von weltlichen und geistlichen Würdenträgern, wie man auf dem Wandbild sehen kann. Warum traf man sich in Koblenz? Die Stadt war sowohl über Land auf den alten Römerstraßen als auch auf dem Wasser sehr gut zu erreichen.

Das Vorhaben endete erfolgreich, die drei Herrscher einigten sich und unterzeichneten alle den Friedensvertrag. Doch nur neun Jahre später gingen die Streitereien wieder von vorne los….

Und die Moral von der Geschicht´?

Machtfragen innerhalb der Familie waren wohl schon damals ein heikles Thema. Immer wenn ich die Geschichte in kurzen Teilen auf meinen Stadtführungen erzähle, bringt sie die Gäste zum Schmunzeln. Aber ich möchte nicht wissen, was zu der fränkischen Zeit wirklich los war und wie grausam die Umstände gewesen waren…. Geschichte ist oft erst im Rückblick erheiternd.

Anreise

Der Brunnenhof und damit der schönste Hinterhof in der Koblenzer Altstadt ist zwischen der Mehlgasse und der Florinspfaffengasse gelegen. Von der Mehlgasse, aus Richtung Liebfrauenkirche kommend, geht es hinter dem Bistro Pfefferminzje durch einen Bogen unter den Häusern durch. Von der Florinspfaffengasse vom Florinsmarkt kommend, biegst du hinter dem Sterne-Restaurant „Verbene“ rechts ab in den Brunnenhof.

Wenn du an der Bushaltestelle „Altengraben“ aussteigst, kannst du über den „Plan“, rauf zur Liebfrauenkirche gehen. Von dort kommst du in die Mehlgasse.

Meine Empfehlung

Im Sommer gibt es im Café/Bistro „Pfefferminzje“ die Möglichkeit, draußen im Brunnenhof zu speisen. Ich liebe es, hier zu sitzen, ein leckeres Stück Kuchen mit einen frischen Pfefferminztee zu mir zu nehmen und der Geschichte des Brunnenhofes nachzuhängen.

Nichts ist häufiger, als dass am Ende eines Streits beide Gegner um die Wette Unsinn reden.

Ferdinando Galiani – italienischer Ökonom

Aussicht auf den nächsten Artikel

Am 19. Februar 2024 um 7:00 Uhr findest du hier einen Artikel über märchenhaftes mitten in der Koblenzer Stadt und von den meisten nie wahrgenommen. Ich bin gespannt, ob du die Geschichte kennst.

Frage

Wusstest du, dass hier im Brunnenhof die Wiege von Koblenz ist? Schreibe mir doch gerne hier unter dem Artikel in die Kommentare. Ich freue mich von dir zu lesen,

deine Kristina Venus

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