Fritsch-Kaserne

Fritsch-Kaserne in Koblenz

Die Fritsch-Kaserne ist ein großes Gelände mit Geschichte. Momentan scheint es in einem Dornröschenschlaf zu verweilen. Aber es scheint nur so. Denn im Hintergrund, und daher für die Koblenzer und Koblenzerinnen kaum erkennbar, passiert eine ganz Menge!

Wir schauen heute nach hinten, in die Geschichte der Fritsch-Kaserne, blicken auf die Gegenwart. Du wirst einige interessante Informationen bekommen. Und wir wagen einen Blick in die Zukunft, die schon jetzt gestaltet wird.

Die Vergangenheit

Die vielen Belegungen der Fritsch-Kaserne

1937 rüstete man in Deutschland auf. Die Fritsch-Kaserne, ursprünglich Flak-Kaserne (Flak = Luftwaffe) genannt war eine von vielen neuen Kasernenbauten. Es handelte sich dabei um die einzige in Koblenz stationierte Luftwaffeneinheit.

Besonders komfortabel war die Kaserne zum damaligen Zeitpunkt wohl eher nicht. Denn es entstanden mehr Baracken und nur wenig feste Gebäude.

Die vielen unterschiedlichen Namen

Ab 1945 waren die Amerikaner in der Kaserne, die damals „Camp Thelen“ genannt wurde. 1949 – 1957 waren die Franzosen vor Ort und nannten die Kaserne „Quartier Dejean“.

Ab 1957 übernahm die Bundeswehr die Kaserne von den Franzosen. Bis 1964 nannten man sie dann wieder „Flak-Kaserne“. Erst danach wurde sie umbenannt in Fritsch-Kaserne, nach dem deutschen Generaloberst Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch benannt.

Zwangsversetzte haben hier Unterschlupf gefunden

Was viele nicht wissen, ist, dass die Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg eine Anlaufstelle für „Displaced Persons“ war. Dabei handelte es sich um Menschen, die durch den Krieg ihre Heimat verloren hatten. Zwangsarbeiter, Zwangsverschleppte, Flüchtlinge und befreite Lagerinsassen.

Nur damit man mal eine Vorstellung hat, wie viele Menschen zu den „Displaced Persons“ zählten: Nach Kriegsende befanden sich 10,8 Millionen „Displaced Persons“ in Deutschland. Und in Koblenz half man diesen Menschen, dass sie wieder in ihre Heimat reisen konnten.

Die Kasernen-Geschichte neigt sich dem Ende zu

1989 verließen die letzten Soldaten die Fritsch-Kaserne. 2000 ging ein Großteil des Geländes an die Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz (LBB). Es wurde umfangreicht saniert und renoviert. 2001 zog dann die Verkehrsdirektion Koblenz und die Bereitschaftspolizeihundertschaft dort ein. Dort sind sie auch bis heute geblieben. Ebenso die Außenstelle Koblenz der Landesarchäologie.

Das heißt, der größte Teil der Fritsch-Kaserne wird derzeit nicht genutzt und steht leer. Doch was ist geplant?

Die Gegenwart

Es scheint Stillstand – doch der Schein trügt

Momentan scheint sich in der Fritsch-Kaserne nichts zu tun. Aber genau das Gegenteil trifft zu. Im Juli 2020 ging das zu verkaufende Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in die Hände der BPD, Bouwfonds Immobilienentwicklung (Bouwfonds Property Development). Eines der führenden Projekt- und Gebietsentwickler für Wohnimmobilien in Deutschland. Gegründet wurde das Unternehmen schon 1946 in den Niederlanden.

In Koblenz sind sie bekannt durch das neu entstandene Wohnquartier auf dem Oberwerth „3Klang“. Derzeit wird auch am Lützeler Bahnhof das Gelände von der BPD geplant und umgesetzt, das Rosenquartier.

Was ist seit der Vertragsunterzeichnung passiert?

Zwischen der Stadt Koblenz und BPD wurde zur Entwicklung des neuen Stadtquartiers ein städtebaulicher Vertrag geschlossen. Dabei handelt es sich um einen Vertrag zwischen der öffentlichen Hand, der Stadt Koblenz und privaten Investoren (BPD) über die Durchführung und Finanzierung städtebaulicher Maßnahmen.

Nach solch einem Vertrag wird erst einmal mit der Entwicklung eines Bebauungsplans begonnen. Dafür hat die BPD 2 Jahre eingeplant. Mitte 2021 ist dort in der Fritsch-Kaserne das Regionalbüro Koblenz der BPD eingezogen. Regionalbüroleiter ist Adrian Jukic, mit dem ich das Interview geführt habe.

Die Gebäude zerfallen, im Hintergrund wird Platz geschaffen

Auf den ersten Blick meint man, es wird in der Fritsch-Kaserne nicht gearbeitet, geschweige denn etwas verändert. Doch Adrian Jukic erzählt mir, was alles im Hintergrund erledigt werden muss. Natur- und Artenschutzthemen müssen berücksichtigt werden, wie zum Beispiel das Umsiedeln einer bestimmten Eidechsen-Art vor dem Abriss der Gebäude.

„Die Infrastruktur muss genau beachtet und berücksichtigt werden“, so Jukic. „Das alles kostet erst einmal sehr viel Zeit und auch Geld. Und dafür benötigt es einen Investor, der nicht nur bereit ist, dieses Geld für lange Zeit vorzustrecken, sondern er muss es auch haben.“

Es geht ja nicht nur darum, ein vollkommen neues Wohnquartier zu errichten, sondern die BPD will auch zukunftsfähig planen und bauen. Man darf dabei die Umwelt und das Klima nie vergessen. Das heißt u. a. ein gut durchdachtes Mobilitätskonzept, wie zum Beispiel Bike- und Carsharing vor der Haustür, sowie Leihsysteme und eine Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu schaffen. Aber auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, sowie die Integration der Koblenzer Seilbahn.

Dieser ganzheitliche Ansatz hat auch die Stadt Koblenz unter anderem dazu bewogen, der BPD den Zuschlag zu erteilen.

Das Interesse an den wirklichen Bedürfnissen der zukünftigen Bewohner

Im Gespräch mit Adrian Jukic ist mir immer wieder aufgefallen, wie wichtig der BPD es ist, die Bebauung an den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Was wird wirklich gebraucht, um gut und zukunftsfähig zu leben?

Es fanden schon viele Gespräche zwischen der BPD und den Menschen in und um Koblenz statt. Und es scheint, als höre man auch zu. Zum Beispiel ist eine Art Marktplatz auf dem Gelände geplant, um sich mit den anderen Bewohnen treffen und austauschen zu können.

„Es wäre schön, wenn vor Ort ein Café entstehen würde“, so Jukic. Wer sich austauschen will, soll hier die Möglichkeit haben. Wer für sich bleiben möchte, wird auch bei der Planung berücksichtigt. Es sollen Veranstaltungsräume errichtet werden für ein Miteinander.

Umweltfragen werden immer wieder gestellt. „Und die BPD ist offen für neue Wege“, so Jukic. Altes darf bewahrt werden. Denn der Erhalt des wunderschönen alten Baumbestandes wird sorgfältig geprüft und in das neue Konzept integriert, soweit es geht.

Leben, Wohnen und Arbeiten

Alles an einem Ort hat nicht nur den Vorteil der kurzen und damit umweltfreundlichen Wege. Daher sind nicht nur Wohneinheiten sondern auch gewerbliche Einheiten in Planung. Das könnten Gastronomie, Bäcker oder kleinere Läden zur Lebensmittelversorgung (große Läden gibt es in direkter Nähe und fußläufig zu erreichen).

Der Wohnbereich besteht aus Ein- und Mehrfamilienhäuser. Das gesamte Areal ist aufgeteilt in Bereiche, in denen Wohnen und Arbeiten kombiniert wird, einen Bereich zum Thema Generationen-Wohnen mit einer KITA, Pflegeeinrichtungen usw. Ein Bereich „Wohnen im Park“, sowie ein Bereich für „Panorama-Wohnen“ mit Blick in die Landschaft, Richtung Urbar, Vallendar und dem Landschaftsschutzgebiet „Mallendarer Bachtal“.

In der Planung wird die vorhandene Nachbarschaft mit berücksichtigt. Diese macht sich verständlicherweise Gedanken darüber, was in der Fritsch-Kaserne Neues entsteht. „Es entstehen hier im neuen Quartier nicht nur attraktive Angebote für die Quartiersbewohner, sondern auch für die Nachbarschaft,“ sagt Jukic.

Die BPD berücksichtigt in ihrer Planung auch die Geschichte der Fritsch-Kaserne. Zum Beispiel wie man den alten Bestand noch nutzen kann. „Bei den Gebäuden ist das schwierig. Sie stehen schon sehr lange leer und sind auch schon sehr alt. Daher sind sie teilweise in einem baufälligen Zustand. Auch nach verschiedenen Gutachten haben wir uns dazu entschieden, die Gebäude alle zurückzubauen,“ erklärt Jukic.

Anfang 2024 wird der Rückbau der alten Gebäude, Straßen und Ver- und Entsorgungsleitungen gestartet. Im Anschluss werden neue Straßen, Wege, Plätze und Grünanalgen neu gebaut.

Was mich persönlich fasziniert ist, dass das Baumaterial aus dem Abriss wieder für den Neubau genutzt wird. Damit wohnt man indirekt dann doch in der alten Fritsch-Kaserne. 😉

Die Zukunft

Was ist konkret geplant?

Das neue Quartier heißt „Ellinger Höhe“. So hieß die Erhebung vor der Festungsanlage Ehrenbreitstein schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Es entstehen ca 800 vielfältige Wohnungen für rund 2.000 Menschen auf einer 12,5 ha großen Fläche. 30 Prozent der Grundstücksfläche sind als Verkehrs- / Infrastruktur- und öffentliche Grünflächen geplant.

Die BPD schätzt einen 8 – 10-jährige Entwicklungszeitraum seit dem Erwerb, bis die ersten Bewohner einziehen können.

Nach dem Neubau der Grünanlagen, Straßen, Wege, Plätze und der Ver- und Entsorgungsleitungen startet die BPD mit dem Vertrieb. Wer hier frühzeitig eine Wohneinheit erwirbt, kann sein neues Heim mit planen und gestalten.

Es ist geplant, dass die ersten Bewohner schon Ende 2025 im neuen Quartier „Ellinger Höhe“ einziehen können. Die neuen Bewohner können sich auf ein schönes neues Quartier in Koblenz freuen.

Mein Dank

Die Idee dieses Artikels entstand während einer Stadtführung mit der BPD gemeinsam. Adrian Jukic war sofort für ein Interview bereit und hat sich sehr viel Zeit dafür genommen. Zweimal war ich oben in der alten Fritsch-Kaserne. Dabei entstanden auch die vielen Fotos.

Mich persönlich hat die Vielfalt der Aufgaben beeindruckt, die ein Unternehmen im Vorfeld, bevor der erste Bagger anrollt, erledigen und auch bezahlen muss. Aber auch das Engagement der Planung, die Berücksichtigung der vielfältigen Themen, das Interesse an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen war bewundernswert.

Bei Interesse

Hier kannst du am Modell sehen, wie das neue Quartier „Ellinger Höhe“ angedacht ist

Wenn du jetzt Interesse und/oder Informationen zu einer zukünftigen Wohnmöglichkeit in der ehemaligen Fritsch-Kaserne hast, dann kannst du dich gerne bei Adrian Jukic per Mail melden: koblenz@bpd-de

Oder du trägst dich auf der Info-Seite der BPD über die „Ellinger Höhe“ in den Newsletter ein.

Hier kannst du dir auch das Video anschauen, welches TV Mittelrhein gemeinsam mit Adrian Jukic gedreht hat mit sehr vielen Informationen zu dem neuen Quartier.

Wenn du mehr Informationen zur BPD haben möchtest, dann findest du sie hier.

Anreise

Du kannst wunderbar von Koblenz am Deutschen Eck aus mit der Koblenzer Seilbahn oben auf die Festung Ehrenbreitstein fahren und von dort bis zur Kaserne gehen. Aber die Kaserne ist derzeit nur von außen zu besichtigen.

Mit dem Rad fährst du von Koblenz kommend über die Pfaffendorfer Brücke. In Ehrenbreitstein biegst du rechts ab in Richtung Arzheim, Arenberg und Immendorf. Dort hältst du dich immer an die Beschilderung Richtung Festung.

Mit dem Bus der VRM, Linie 460, Richtung Montabaur kannst du vom Zentralplatz bis zur Haltestelle „Niederberg Kirche“ fahren. Von dort gehst du durch die Ellingstraße, bis es rechts ab geht in die Straße „Niederberger Höhe“. Dort siehst du auch schon die Kasernengebäude.

Meine Empfehlung

Wenn du schon dort oben bist, gestatte der Aussichtsplattform auf dem Festungsgelände einen Besuch ab und auch der Festung Ehrenbreitstein. Und wenn du noch nicht mit der Koblenzer Seilbahn angereist bist, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um mit ihr wieder runter in die Stadt zu fahren. Gerade bei Sonnenuntergang hast du von der Seilbahn aus den schönsten Blick auf unser Koblenz.

Es ist nicht die stärkste Spezie die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.

Charles Darwin – Britischer Naturforscher

Aussicht auf den nächsten Artikel

Am 5. Februar 2024 um 7:00 Uhr werde ich euch vom schönsten Hinterhof in Koblenz berichten. Diesen hatte ich zwar schon in einem anderen Artikel zum Teil beschrieben. Aber im Februar tauchen wir in die Geschichte ein – und zwar in eine, wie ich finde, sehr lustige. Aber lustig ist Geschichte oft erst in der Rückschau. Denn als sie stattfand, war das für viele Menschen bestimmt sehr bedrückend.

Es ist aber auch eine Geschichte, die zeigt, wie die Menschen wohl schon immer waren, sind und wohl auch sein werden. Vor allem, wenn es um Macht geht. Ich freue mich auf dich!

Deine Kristina Venus

P. S.: Wenn du in der Koblenzer Fritsch-Kaserne gedient hast, dann lass uns doch gerne einen Kommentar hier unter dem Artikel. Leider habe ich niemanden gefunden, der mir etwas über seine Bundeswehrzeit in der Kaserne berichten wollte. Ich freue mich, von dir zu lesen!

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