Straßenbahn im alten Koblenz

Straßenbahn in Koblenz Linie 1

Straßenbahn in Koblenz: Bis Ende der 1960-er fuhr sie und wird bis heute von vielen vermisst. Der Lauf der Geschichte hat dazu geführt, dass die Straßenbahn ganz aus dem Bild von Koblenz verschwand.

Noch heute gibt es Relikte in Koblenz aus dieser Zeit. Aber viele erkennen sie nicht als solche oder gehen gar achtlos daran vorbei.

Alles begann mit einer Pferdebahn

Am 25. Mai1887 fuhr die erste Pferdebahnlinie, betrieben von der KEVAG (Koblenzer Elektrizitäts- und Verkehrs AG, gegründet 1886 und 2014 aufgelöst).

Von der Schiffsbrücke am Rhein fuhr die Pferdebahnlinie 1,89 Kilometer über den Görresplatz bis ans Löhrtor, welches in der Löhrstraße, Ecke Mosel- und Friedrich-Ebert-Ring stand. Alle 12 Minuten fuhr die Pferdebahn, später sogar noch weiter bis zum Hauptbahnhof.

Nach und nach wurde das Pferbahnnetz auf insgesamt 12,13 Kilometer ausgebaut, bevor am 27. Januar 1901 die letzte Pferdebahn fuhr.

Eine Pferdebahn hatte 25 Wagen, davon wenige als offene Sommerwagen. Insgesamt gab es zwölf Sitzgelegenheiten auf Längssitzen.

Die Pferdebahnwagen wurden nach Einstellung noch fast alle als Beiwagen der Straßenbahnen genutzt.

Der Startschuss der Koblenzer Straßenbahn

Ende des 19. Jahrhunderts entschloss die KEVAG sich, von dem Pferdebahnnetz auf eine elektrische Straßenbahn umzusteigen. Denn kurz zuvor begann in Koblenz das Zeitalter der Stromerzeugung. Das dafür notwendige Elektrizitätswerk wurde an den Schützenhof verlegt. Von dort fuhr die erste elektrische Bahn am 17. Januar 1899 auf der ehemaligen Pferdebahnlinie 2 zwischen Göbenplatz Richtung Görresplatz los.

Das Straßenbahnnetz wurde mit einer ersten Anbindung an Ehrenbreitstein und Pfaffendorf erweitert. Dazu wurde die Pfaffendorfer Brücke, die damals ursprünglich als Eisenbahnbrücke erbaut wurde, entsprechend umgebaut.

Das Netz erweiterte sich 1901 schon auf 18,15 Kilometer. Nach und nach wurde es immer weiter ausgebaut und die Bahn erreichte immer mehr Stadtteile und später sogar Höhr-Grenzhausen.

Dazu wurden weitere Depots in Vallendar und Ehrenbreitstein nötig. Am Ende befuhr die Koblenzer Straßenbahn insgesamt 50,69 Kilometer, teilweise nur eingleisig mit unzähligen Ausweichmöglichkeiten für den Gegenverkehr.

Der Erste Weltkrieg und danach

Der Erste Weltkrieg verhinderte weitere Ausbauten in noch fernere Orte, wie Bad Ems, Braubach, Mülheim, Weißenthurm oder die Anbindung an die Neuwieder Kreisbahn.

Da immer mehr Männer in den Krieg ziehen mussten, gab es damals die ersten Fahrerinnen. Die Fahrgastzahlen stiegen bis 1917 auf stolze 19 Millionen jährlich. Aber bedingt durch Materialmangel, da die Rüstungsindustrie immer mehr Draht benötigte, mussten nach und nach auch wieder Strecken eingestellt werden, wie zum Beispiel von der Königsbach nach Stolzenfels.

Bahnhofsvorplatz Koblenz 1936, Foto: Stadtarchiv Koblenz

1923 wurden mehrere Strecken aufgrund der Inflation eingestellt. Diese konnten aber danach schnell wieder aufgenommen werden. Ende der 1920´er konnten sogar noch weitere Strecken ausgebaut werden, so dass das Verkehrsnetz der Straßenbahn zu seinen Glanzzeiten insgesamt 51,71 Kilometer befuhr.

Bis zum Schluss war der Anstrich der Waggons elfenbeinfarben mit einem grünen Längsstreifen.

Das Ende der Elektrischen

Auch der Zweite Weltkrieg führte zu Materialmangel und damit zu einer Verkleinerung des Straßenbahnnetzes. Es wurden die ersten Obusse (Oberleitungsbusse) eingesetzt.

Im April 1944 wurde das Netz durch Luftangriffe weitestgehend zerstört. Rechtsrheinisch konnte die Straßenbahn noch bis 1945 fahren. Als jedoch die Rhein- und Moselbrücke gesprengt wurden, war das Koblenzer Straßenbahnnetz zweigeteilt.

Schon im Jahr 1946 fuhren die wichtigsten Linien linksrheinisch wieder. Der Wiederaufbau 1949 der Balduinbrücke ermöglichte auch weitere Fahrten bis Metternich und Neuendorf.

Jedoch wurden beim Wiederaufbau der Pfaffendorfer Brücke keine Gleise mehr verlegt, so dass rechtsrheinisch nur noch Obusse verkehrten. Die Obuslinien wurden nach und nach erweitert und verdrängten die Straßenbahn immer mehr aus Koblenz.

Aber auch der steigende Automobilverkehr und die damit verbundenen Verkehrsprobleme führten dazu bei, dass immer weniger Menschen das zu Anfangszeiten so begehrte Verkehrsmittel nutzten, dieses sogar als Verkehrshindernis empfanden.

Abschied von der Straßenbahn

Foto: EVM

Am 19. Juli 1967, vormittags um 11 Uhr, fuhr die letzte Straßenbahn in Koblenz. Der Grund dafür waren die zu engen Straßen, eine neu gestaltete Fußgängerzone und das fehlende Geld für die Sanierung.

Die letzte fahrende Ban, die Linie 2 von der Endhaltestelle Oberwerth in Richtung Hauptbahnhof, wurde mit Girlanden geschmückt und mit Ehrengästen besetzt. An der Kurbel stand der KEVAG-Direktor Ferdinand Präuner selbst. Viele Koblenzer und Koblenzerinnen am Straßenrand verabschiedeten winkend die Straßenbahn.

Es gab im Anschluss eine Abschiedsfeier in der Rhein-Mosel-Halle, mit KEVAG-Werkskapelle und einem Feuerwerk. In Koblenz ist die Straßenbahn bis heute bekannt als „die Elektrische“ oder „Kowelenzer Wackelbahn“.

Aber auch die Obusse wurden nach weiteren drei Jahren komplett eingestellt und durch Omnibusse ersetzt, die fortan die Fahrgäste in Koblenz zu ihren Zielen fuhren.

Weiterführende Informationen

Hier kannst du dir wunderschöne alte Video-Aufnahmen unserer Kowelenzer Wackelbahn anschauen, zum Teil mit Früher- und Heute-Aufnahmen.

Und auf dieser Seite findest du unzählige Fotos von dem Koblenzer Fotograf Heinrich Wolf, der ab 1957 Fotograf beim Polizeipräsidium in Koblenz war und später als Mitarbeiter der lokalen und kirchlichen Presse tätig war. Viele Preise und Ausstellungen hat er auf seinem Lebensweg erhalten. Aber er hat in erster Linie viel zur Erinnerung an das frühere Koblenz beigetragen.

Meine Empfehlung

Mache eine kleine Straßenbahn-Erinnerungs-Tour zu Fuß oder mit dem Rad: Beginnend am Wartesälchen am Friedrich-Ebert-Ring, weiter Richtung Norden an der Herz-Jesu-Kirche vorbei. Am Löhrrondell machst du einen kleinen Abstecher rechts in die Schloßstraße, um dir den original Fahrleitungsmast der ehemaligen Straßenbahnlinie 3 aus dem Jahr 1900 anzuschauen.

Dann kehrst du zurück in die Fußgängerstraße, Löhrstraße Richtung Norden und gehst die wohl meistbefahrende Straßenbahnlinie ab, bis zu den Vier Türmen, um dort rechts abzubiegen auf den Plan.

Dort kannst du dich bei Lezizel Manti stärken und noch etwas in Erinnerungen schwelgen.

Männer und Straßenbahnen soll man nie nachlaufen, es kommen immer wieder neue.

Eva Zeller – Deutsche Schriftstellerin

Aussicht auf den nächsten Artikel

Den nächsten Bericht gibt es am Montag, den 15. April 2024 um 7 Uhr. Es wird gesundheitlich bedenklich und historisch ein Genuss! Ich habe Zugriff auf historische Fotos erhalten, die es noch nicht in der Öffentlichkeit in der Form zu sehen gab.

Frage

Hast du den original Fahrleitungsmast in der Schlossstraße jemals bewusst wahrgenommen? Oder hast du gar noch von deiner Familie Fotos aus der Zeit? Denn hier konnte ich größtenteils, wegen minderer Qualität nur sehr kleine Fotos veröffentlichen. Schreibe mir doch gerne hier unter dem Artikel (drücke den roten Button und die Kommentarfunktion öffnet sich). Ich freue mich, von dir zu lesen,

deine Kristina Venus

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