Rokokoportal in der Weißer Gasse – ein Relikt aus einer anderen Zeit

Rokokoportal Weisser Gasse Koblenz

Das Rokokoportal in der Weißer Gasse sieht ein wenig fehl am Platz aus. Täglich durchschreiten mehr oder weniger motivierte Schüler dieses Portal. Daneben entstand ein Neubau und die Einfahrt zur Tiefgarage passt so gar nicht neben ein jahrhundertaltes Gebäudefragment.

Das Rokokoportal steht für die sehr alte Geschichte in Koblenz

Das Rokokoportal selbst ist noch jüngeren Datums. Aber die Geschichte und das leider nicht mehr existierende Gebäude drumherum stammt aus dem 13. Jahrhundert.

In der Weißer Gasse war damals die Gegend der Armen. Die Dominikaner kamen in der Zeit nach Koblenz. Der Orden war bekannt für seine asketische Lebensweise. Vielleicht war das eine der Gründe, warum der Orden sich diesen Ort in der Nähe der Mosel ausgesucht hat, um ein Kloster zu bauen. Damals lag diese Gegend noch außerhalb der damals noch römischen Stadtmauern.

Ostern 1233 wurde das erste mal Gottesdienst in den Gemäuern abgehalten. Kurz danach fing man an, eine Kirche zu bauen, die aber 1245 durch einen Brand wieder zerstört wurde.

Das hielt die Dominikaner aber nicht davon ab, die Kirche erneut aufzubauen. Bis 1260 war man damit beschäftigt. Am 25. April 1260 wurde sie geweiht.

Das Kloster lebte fortan von vielen Schenkungen reicher Koblenzer Bürger. 1688 wurde das Kloster nochmal, nach der Bombardierung im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekrieges größtenteils zerstört. Noch im gleichen Jahr hat man die Klosteranlage provisorisch renoviert. 1713 wurde sie dann komplett neu aufgebaut.

Das Rokokoportal, so wie es heute noch in der Weißer Gasse steht, wurde 1754 vom Mainzer Bildhauer Nikolaus Binterim erstellt. Auf diese Zeit bezieht sich auch die Bezeichnung „Rokokoportal“.

Die Weißer Gasse

Die Weißer Gasse in Koblenz war eine der ersten Straßen, die man außerhalb des Stadtkerns innerhalb der Stadtmauern anlegte.

Der Name rührt wohl daher, dass die Straße eine Verbindung zum Nachbardorf Moselweiß herstellte. Zur anderen Seite hin verband die Weißer Gasse den Stadtkern mit dem Weisser Tor, welches 1812 abgerissen wurde. Vor dem Tor, an dem beidseitig Gebäude befestigt waren, war ein kleiner Platz.

1944 wurden in der Weißer Gasse alle Wohnhäuser zerstört.

Die französische Revolution war der Anfang vom Ende

Mit der Hinrichtung von Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 durch die Guillotine breitet sich der damalige Erste Koalitionskrieg weiter aus. In diesem Krieg haben Preußen, Österreich und kleinere deutsche Staaten gegen die Revolution in Frankreich und für die Monarchie gekämpft. Bei den Ausschreitungen nutzten die Österreicher das Kloster als Lazarett.

Als am 26. Oktober 1794 die Franzosen Koblenz einnahmen wurde das Dominikanerkloster entweiht. Am 30. Mai 1794 wurde aus dem Kloster ein städtisches Krankenhaus. 1802 wurde es ganz aufgelöst, als der letzte Mönch es verlassen hatte.

Nachdem beim Wiener Kongress Koblenz an die Preußen ging, belegte die preußische Infanterie die Anlage. Die Klosterkirche diente später als Waffenlager.

Danach wurde die Klosteranlage als preußisches Militärlazarett genutzt und größtenteils für diese Zwecke umgebaut.

1930 wurden die Gebäude als Unterschlupf für die Koblenzer Obdachlosen genutzt.

Das Ende und der Abriss

1939 sprach der damalige Koblenzer Oberbürgermeister das erste mal an, dass das Rokokoportal vor dem drohenden Bombardement geschützt werden müsse. Erst im Oktober 1942 wurden dann die oberen drei Figuren auf dem Rokokoportal abgenommen und im Klosterkeller eingelagert.

Am 22. April 1944 wurde die Klosteranlage bei einem Luftangriff teilweise zerstört und die Figuren gingen dabei verloren. Trotz der noch stehenden Außenmauern und teilweise des Gewölbes entschied man sich 1955 für den Abriss der Anlage, bis auf das noch erhaltene Rokokoportal, welches, bis auf die Steinfiguren, noch teilweise dort stand.

Bau der Schule

In der Zeit von 1957 – 1959 baute man dort an der Stelle die noch heute existierende Clemens-Brentano-Schule. Die drei Steinfiguren wurden von dem deutschen Bildhauer Rudi Scheuermann in der Zeit von 1964 – 1967 nachgebildet und wieder auf das Rokokoportal gesetzt.

Restaurierung des Rokokoportals

1983 entschied sich Koblenz zur 750-Jahr-Feier der Weißergassen-Kirmes das Portal zu restaurieren.

1986 stiftete die Weißergässer Kirmesgesellschaft einen Gedenkstein, den man auf den Schulhof an der Stelle aufstellte, auf dem der Altarraum der Klosteranlage stand. „Chor [Altarraum] der ehemaligen Dominikaner-Kirche | erbaut 1233 | zerstört 1944“.

Die drei Figuren

Links steht der heilige Dominikus. Er war der Gründer des Dominikaner-Ordens. In der Mitte kannst du die heilige Maria sehen, der Mutter Jesu. Rechts siehst du Thomas von Aquin. Er war ein italienischer Dominikaner, der in der Kirche als Heiliger gilt.

Das Rokokoportal als Mahnmal

Das Rokokoportal scheint auf den ersten Blick gar nicht in die Weißer Gasse in Koblenz zu passen. Aber es ist auch ein Mahnmal der Zerstörung, die im Zweiten Weltkrieg in unserer Stadt stattgefunden hat.

In den nächsten Jahren wird in der Weißer Gasse die Synagoge der jüdischen Gemeinschaft nach langer Zeit wieder aufgebaut. Die lange Reise ist eine andere Geschichte, die du hier nachlesen kannst.

Anreise

Mit dem Rad kannst du direkt in die Weißer Gasse fahren und kannst das Rokokoportal jederzeit besichtigen.

Mit dem Bus fährst du bis zur Haltestelle „Altengraben“ oder „Bf Stadtmitte/Löhr-Center“. Von beiden Haltestellen sind es nur wenige Minuten bis zur Weißer Gasse und dem Rokokoportal.

Anschrift

Weißer Gasse 6, 56068 Koblenz

Meine Empfehlung

Nach Besichtigung des Rokokoportals kannst du noch einen Abstecher in das Statz´sche Gässchen unternehmen, einem der neuesten erschaffenen Ruhepole in einem Hinterhof der Altstadt.

Anschließend kannst du noch einen Besuch im Kontor V abstatten, um vielleicht ein leckeres und weltprämiertes Getränk einzukaufen für besondere Anlässe.

Zum krönenden Abschluss kannst du dich im Pfefferminzje stärken und den Tag ausklingen lassen.

Das Wissen der Geschichte ist Wandel.

Jacob Burckhardt – Schweizer Kulturhistoriker

Aussicht auf nächste Woche

Nächste Woche geht es in die Natur. Unweit von Koblenz liegt ein militärisches Areal, welches für den Naturschutz genutzt wird. Leider ist auch das Militär wieder aktiv. Aber am Wochenende ist es ein beliebtes Ausflugsziel – nicht nur für Koblenzer Bürger und Bürgerinnen.

Frage

Kanntest du die Geschichte des Portals? Welche Kindheitserinnerungen verbindest du mit der Weißer Gasse und dem Rokokoportal? Schreibe mir doch gerne hier unter dem Artikel in den Kommentaren. Ich freue mich, von dir zu lesen-

Deine Kristina Venus

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